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"Der Trend geht eindeutig zum Regionalen"

 

Köcheverein-Chef Maik Arnold über fehlende Fach- und Hilfskräfte in der Gastronomie, kreative Spitzenleistungen und ein Jubiläumsgericht

erschienen am 09.12.2017

 

 

Zwickau. Mitglieder des Vereins der Zwickauer Köche haben bereits diese Woche im "Schwalbenhof" im Stadtteil Oberrothenbach Weihnachten gefeiert, weil sie über die Festtage viel zu tun haben. Viola Martin hat sich mit dem Ersten Vorsitzenden, Maik Arnold (53), über das Arbeitskräfteproblem und neue Trends unterhalten.

 

 

Freie Presse: Wie viele Mitglieder zählt der Verein aktuell?

Maik Arnold: Wir haben seit vielen Jahren konstant stets um die 75 Mitglieder. Viele halten uns auch im Rentenalter die Treue und geben ihre Erfahrungen weiter. Außerdem sind jüngere Leute wie Ronald Otto von der Leubnitzer "Erdbeerschänke" und Markus Gnadt vom "Landhotel Gutshof" in Zschocken Mitglied geworden.

Wer in einer Gaststätte essen möchte, muss oft vorbestellen, um einen freien Tisch zu bekommen. Gibt es weniger Lokale oder eine größere Kundennachfrage?

Beides. Es ist oft schwer für Wirte, die in den Ruhestand gehen, Nachfolger zu bekommen. Gelingt das nicht, muss das Lokal schließen. Darüber hinaus fehlen in der Region nicht nur Fach-, sondern auch Hilfskräfte. Wenn das Personal nicht reicht, werden Ruhetage eingelegt und Öffnungszeiten verkürzt, um den Betrieb dennoch in hoher Qualität zu sichern. Andererseits beobachten wir auch wachsende Besucherzahlen in den Gaststätten.

Worauf führen Sie den Personalmangel zurück?

Die Wirtschaft brummt. Da wandern Fachkräfte, die nicht mehr abends oder am Wochenende arbeiten wollen, dorthin ab. Andererseits bleiben viele Koch-Lehrstellen unbesetzt. Und von jenen, die eine Ausbildung beginnen, bricht diese jeder Zweite ab.

Wie reagiert der Verein darauf?

Wir ermutigen junge Leute zu Praktika in einem Restaurant, ehe sie sich für eine Lehre entscheiden. So wissen sie vorher, was auf sie zukommt. Bei meiner Arbeit im Beruflichen Schulzentrum in Schneeberg versuche ich, jungen Leuten zu vermitteln, wie schön es ist, in einem kreativen Team zu arbeiten. Vereinsmitglieder unterstützen Lehrlinge bei Wettbewerben und fördern so ihre Begeisterung für den Job. Beim "Sternquellpokal" konnten so ein erster und ein zweiter Platz eingeheimst werden.

Wohin geht der Trend in der Gastronomie?

Nach den Lebensmittelskandalen geht der Trend eindeutig zum Regionalen. Welche tollen Gerichte aus regionalen Produkten kreiert werden können, hat der Kochwettbewerb um den "Goldenen Kochlöffel 2017" gezeigt, den der Verein gemeinsam mit der IHK-Regionalkammer Zwickau, der Tourismusregion und dem Verein "Direktvermarktung in Sachsen" veranstaltet hat. Der "Goldene Kochlöffel" ging am Ende an Mandy Engelmann vom Hotel Meerane mit Schweinefilet vom Strohschwein. Das Fleisch kam vom Kunz-Hof in Härtensdorf. Aber auch die anderen fünf Wettbewerbsteilnehmer haben Spitzenleistungen gezeigt.

Nächstes Jahr feiert Zwickau sein 900-jähriges Bestehen. Wird sich der Zwickauer Köcheverein kulinarisch an dem großen Fest beteiligen?

Ja. Wir sind ja immer beim historischen Markttreiben am Tag des offenen Denkmals Anfang September auf dem Hauptmarkt mit dem Zwickauer Bürgersteak und anderen kulinarischen Angeboten dabei. Zum Jubiläum soll es ein ganz spezielles Angebot von uns geben, vielleicht ein Schumann-Menü. Robert-Schumanns Frau Clara hat ja ein Kochbuch herausgegeben. Gemeinsam mit dem Team vom Schumannhaus könnten wir darin blättern und ein Gericht daraus kochen.

Aktualisiert ( Samstag, den 09. Dezember 2017 um 14:28 Uhr )  

Verein Zwickauer Köche e.V.